Schulverein Heilpädagogische Schulen Mühltal e.V.
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Kompetenzen für das Berufsleben

Es ist hinlänglich bekannt, dass nicht nur schulisches Wissen und fachliche Kompetenzen die alleinigen Voraussetzungen für den erfolgreichen Einstieg in die Arbeitswelt sind, sondern dass durch veränderte gesellschaftliche und familiäre Konstellationen die Schule vermehrt die Aufgabe hat, die Kinder und Jugendlichen in ihren sozialen und persönlichen Kompetenzen zu stärken. Während ein positiv entwickeltes Sozialverhalten wie Kooperationsbereitschaft und Teamfähigkeit, Höflichkeit und Freundlichkeit, Konfliktfähigkeit und Toleranz im gesamten Unterricht erworben werden kann, ist der praktische Unterricht besonders geeignet, die heranwachsenden Jugendlichen in ihren persönlichen Kompetenzen zu stärken, um positive Grundhaltungen und Einstellungen zu Arbeit und Beruf zu erreichen. 

Das zunehmende handwerkliche Tun ermöglicht dem Heranwachsenden das Verstehen von Zusammenhängen und lässt ihn erleben, dass er alleine oder in Zusammenarbeit mit anderen einen Beitrag für andere Menschen leisten und etwas Nützliches und Schönes gestalten kann. Es unterstützt das Zurechtfinden in der Welt und das Selbstständigwerden. Das Oberstufenmotto „Weltinteresse wecken“ passt auch ins praktische Tun, denn in jedem Handwerk liegt ein großer Schatz an Wissen, der durch Tun und Gewöhnung vermittelt wird und so auch den schwach Begabten zugänglich wird, weil sie durch Begreifen lernen. 

Das Finden der eigenen Stärken im handwerklichen Tun wirkt motivierend: Es entsteht eine positive Affirmation statt negativer Wahrnehmung der eigenen Schwächen. Freude, Erfolgserlebnis und Stolz übertragen sich positiv auf kognitive Fächer und den gesamten Lernwillen. Die Materialien - Stein und Metall natürlich stärker als Holz und Ton - setzen der Bearbeitung Widerstand entgegen, den zu überwinden der Jugendliche Kraft aufwenden muss. Und so ist Arbeit immer mit Mühe verbunden, erfordert also Willenseinsatz, der Mensch muss sich der Arbeit stellen! Wie kann man besser Lern- und Leistungsbereitschaft und eine positive Arbeitshaltung erreichen?

Außerdem haben die verschiedenen Handwerke und die bearbeiteten Materialien Wirkungen auf den schaffenden Jugendlichen selbst, die wir therapeutisch nutzen wollen: Arbeitsvorgänge im Handwerk wirken immer ordnend, weil sie Kontinuität, Formgefühl, Raumerleben und Symmetrie verlangen. Die Schüler erleben im Arbeitsprozess vom Rohstoff bis zum Produkt elementare Zusammenhänge. Alle handwerklichen Tätigkeiten erziehen zur Ordnung in Werkstatt, Küche und Garten und jeder Arbeitsrhythmus ordnet den Tages- oder auch Jahreslauf und den Produktionsgang. Gefördert werden Kompetenzen wie Arbeitsfähigkeit, Geschicklichkeit, Genauigkeit, Sorgfalt, Ausdauer und präzises, materialgerechtes Arbeiten.

Der Jugendliche erfährt durch „echte“ Arbeit die tatsächliche Welt: Das stärkt seine Urteilskraft und sein Verantwortungsgefühl. Urteilsfähigkeit wächst durch wirkliche Erfahrung im schöpferischen Prozess. Nicht die Ermahnung des Lehrers, sondern die Sache korrigiert den Tätigen, das Material zwingt ihn immer wieder, neue Entscheidungen zu treffen und das bedeutet „denken".

Jeder handwerklichen Arbeit liegt eine Körpergeste zugrunde und sie bedarf eines bestimmten Bewegungsablaufes. Die typischen Bewegungsformen des Menschen müssen in der Arbeit bewusst verändert werde, d. h. der Lernende muss sich konzentrieren. Erst durch bewusstes, wiederholtes Üben und Koordination der Bewegungen für die spezielle Arbeitsleistung resultiert Geschicklichkeit. 

Jede Arbeit verlangt zudem ein bestimmtes Arbeitsverhalten wie Aufmerksamkeit, innere Ruhe, Konzentration, Flexibilität, Geduld und Ausdauer. Ebenso wirkt jede Arbeit, wenn sie in gutem Rhythmus geschehen kann, auf den Tätigen ausgleichend, beruhigend und festigend. 
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